Transformatik ist eine Meta-Profession und Universalhaltung.

Wer könnte sich als Transformatiker*in verstehen? Jede*r! Bürgerinnen, Eltern, Konsumenten, Unternehmende, Arbeitnehmer, Liebende.

Transformatiker sind Menschen mit Haltung und dem Mut, sich und andere in die Freifallrutsche zu schubsen, wissend, dass man sich weder verletzen noch sterben kann – nur erleben, dass man es kann und es einfach gemacht hat.

Menschen, die sich bereits professionell mit Innovation, Veränderung und Wandel der Gesellschaft beschäftigen: Künstler, Forscher, Studierende, Change Manager, Designer, Religiöse Würdenträger, Organisationsberater, Innovationsmanager… Akteure aus der Zivilgesellschaft, die aktiv etwas zum Wandel lokaler Strukturen und Praktiken beitragen möchten. Menschen mit Haltung, die etwas ändern müssen (aus innerem Antrieb).

Transformatik lebt von lokaler Verankerung und räumlicher Präsenz. Im Transform-Haus sammeln sich Ideen, Wissen und Erfahrungen. Wer Anregung sucht, Hilfe oder Rechtsbeistand, findet hier eine Anlaufstelle. Es gibt so viel Wandlungsenergie, die verpufft, weil die individuell gefühlten Hürden zu hoch sind, sich auf den Weg zu machen.

Wer oder was muss sich eigentlich ändern? Alle und alles, sagt die Transformatik.

Das Problem ist doch, dass der Wandel weder mit mehr Wissen noch mit mehr Moral kommen wird. Es helfen allein die konkreten Anschlussstellen, an denen die Menschen ein anderes Tun als sinnvoll und beglückend wahrnehmen, mit der Betonung auf Ästhetik und Selbstwirksamkeit. Transformatik bespielt genau die praktische Schnittstelle zwischen der am Ende zu kleinteiligen Bewusstwerdungsstory der Einzelnen und der zu langsamen Änderungsdynamik des Systems, das mit Ausbeutung einfach am besten funktioniert. Wandel findet auf der Zwischenebene statt, in geänderten sozialen Praktiken, geleitet vom Wunsch nach einer anderen Praxis z.B. des Unterrichtens in der Schule, des Essenkochens zu Hause, der Kommunikation in der Firma. An dieser Stelle ist der Hebel und Transformatik ist der Griff.

Es braucht Bildung, sagt die Transformatik, also Imagination und Formgebung.

Transformatik ist das Gegenteil von Informatik. Wird man Informatiker, um mit Programmbefehlen die Welt algorithmisch immer weiter auf 0/1 zu reduzieren, so arbeitet der Transformatiker daran, die Welt durch neue Relationen (zwischen Mensch und Mensch, Mensch und Natur) jeden Tag auszuweiten, ohne dabei andere(s) reduzieren zu müssen; also nicht den Weg einer expansiven Modernisierung zu gehen, in der Wachstum von A (Abholzen) bis Z (Zementieren) auf einem kolonialen Mehr besteht, das die besitzbürgerliche Seele beschwingt.

Es braucht mehr Romantik, sagt der Transformatiker, frühe Romantik.

Transformatik lädt Dich ein, genau dort, wo Du jetzt stehst, für mehr Lebendigkeit zu sorgen. Für Dich und für alle.

Sie ist eine lebensbejahende, demokratische Praxis der gesellschaftlichen Transformation. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass die großen Herausforderungen unserer Zeit – von Automatisierung bis Verteilungsgerechtigkeit, von Biodiversität bis Post-Demokratie, von Digitalisierung bis Klimawandel, um nur einige zu nennen – die Veränderung alltäglicher Praktiken bedingen. (Infra)Struktureller Wandel und persönliche Entwicklung gehen hierbei Hand in Hand.

Transformatik ist kein Rettungsschirm für die grün besorgten Gewissensschulden, obwohl sie sich ebenfalls von der Problematik nährt, die ein bürgerliches Fortschritts- und Wachstumsstreben hinterlassen hat. Alle wollen Freiheit, Sicherheit, Wohlstand und ein erfülltes Leben, aber das ist zu Vollkasko-Konditionen nicht möglich.

Die drängenden Herausforderungen von heute, morgen und übermorgen fordern uns alle. Nichts zu unternehmen, bedeutet einfach so weiterzumachen. So oder so werden sich unsere Gesellschaften wandeln. Egal wie, ob “by design” oder “by disaster”, es braucht Kräfte aus allen Bereichen der Gesellschaft, die zu einem intentionalen Wandel und der Bewältigung aufkommender Krisen auf überlegte, mitfühlende und phantasievolle Art und Weise beitragen.

Bestehende Ansätze intentionalen Wandels – von Sozialer Innovation über Transformationsdesign und praxisorientierten Transition Studies hin zum Bewusstseinswandel – bieten vielfältige An- und Verknüpfungspunkte für Transformatik als relationalen Rahmen.

Die bestehenden Ansätze gilt es in ihren Stärken zu bejahen und miteinander in einen anwendungsorientierten Rahmen zu überführen.

Transformationsdesign schenkt uns die Einsicht und die Werkzeuge, um Transformation als lösungsorientierten und iterativen Gestaltungsprozess im Zusammenspiel systemischer und subjekt-bezogener Analysen und Interventionen zu verstehen.

Soziale Innovation stellt die Frage nach einem Ökosystem von staatlichen und privaten Förderstrukturen für gesellschaftliche Innovationen. Sie plädiert dazu im Rahmen ko-kreativer Entwicklungsschritte für den konsequenten Einbezug der am Ende betroffenen oder nutznießenden Akteure. Gleichzeitig bleibt der Innovationsbegriff selbst oft zu nah am ökonomischen Überbietungsdenken.

Transition Studies schlagen die Brücke zwischen Forschung, Politik und Praxis. Das Geschenk sind Konzepte, Formate und Prozesse, die den Wissenstransfer und den Meinungsbildungsprozess zwischen den Sektoren fördern. 

Auch die Bewusstseinsbewegung der moralischen Revolution, die es zur zweiten “Großen Transformation” braucht, muss erweitert werden. Ein verändertes Bewusstsein ist wichtig, aber ohne Tat nur nice to have (zumindest aus Sicht der schmelzenden Gletscher).

Transformatik ist der Holismus der Großen Transformation.

Wenn man alle Dinge und Ansätze in einem ganzheitlichen Rahmen begreift, ändern sich Wertigkeiten und Bedeutungen. Das irritiert, schockiert, verunsichert. Die Evolution hat keinen Bedarf an Smartphones, Steuervorteilen oder Sonderrabatten. 

Transformatik ist eine Versuchsanlage (für Versuchsanlagen).

Was wäre, wenn die großen Veränderungen der nächsten Jahre die Lebendigkeit aller fördern würden?